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    Ev. Beratungsstelle Duisburg Moers - Jahresbericht 2008

    Familienzentren als weiteres Arbeitsfeld - Beratungsstelle in vier Kitas präsent

     

    5. August 2008

    Als ein sinnvolles Arbeitsfeld für eine Beratungsstelle schätzt die Leiterin der Evangelischen Beratungsstelle Duisburg/Moers, Diplom-Psychologin Ulrike Stender, die Zusammenarbeit mit vier Kindertageseinrichtungen im Rahmen der Schaffung von Familienzentren ein. Seit einem dreiviertel Jahr biete die Beratungsstelle für Erziehungs-, Familien-, Ehe-/Partnerschafts- und Lebensfragen sowie Schwangerschafts- und -konfliktberatung in vierFamilienzentren regelmäßig offene Sprechstunden für die „Beratung vor Ort“ an.

    Damit werden nach Einschätzung von Ulrike Stender Menschen erreicht, die keine langen Wege auf sich nehmen, sondern Beratung nur ortsnah und in einer vertrauten Einrichtung in Anspruch nehmen würden. Dabei ist die Beratungsstelle ein Baustein im Verbund von Hilfeeinrichtungen in „Ortsteilen mit besonderen sozialen Problemlagen“, zu dem zum Beispiel auch Kooperationspartner aus der Familien- bzw. Erwachsenenbildung und dem Diakonischem Werk kommen. Die von der Kommune erwartete Vernetzung der unterschiedlichen Dienste braucht nach Aussage von Frau Stender noch Zeit, denn auch die Kindertageseinrichtungen müssen sich in ihrer Rolle als Familienzentren erst zurechtfinden.

    Die Beratungsstelle hat wöchentliche Sprechstunden eingerichtet, daneben gibt es aber auch variable Termine. Erreicht werden sollen unter dem Stichwort der „frühen Hilfe“ vor allem junge Familien im Stadtteil, beginnend bei der Schwangerschaft der Frauen, damit es gar nicht erst zu Vernachlässigung und Misshandlung von Kindern kommt.

    Die Schwangerschafts- und Schwangerschaftskonfliktberatung, seit einigen Jahren Teil der Beratungsarbeit, wird sehr stark nachgefragt. In die Konfliktberatung kommen auch 40 Prozent der Frauen mit Migrationshintergrund. Frau Stender folgert daraus, dass die Beratungsstelle also auch in diesen Bevölkerungsgruppen als evangelische Einrichtung Vertrauen genießt. „Die Frauen erwarten, dass hier Fragen der Religion und Ethik ernst genommen werden.“ Die Schwangerenberatung eröffne auch das Tor zu weiteren Kontakten. Die Hemmschwelle, auch mit anderen Problemen in die Einrichtung zu kommen, sei nicht mehr so groß. „Unter dem Stichwort der ‚frühen Hilfe’ haben wir mit der Schwangerschafts- und Familienberatung gute Möglichkeiten.“ 

    Bei der Klientel der Beratungsstelle sieht Frau Stender zunehmend Probleme durch wirtschaftliche Schwierigkeiten, Konflikte in den familiären Beziehungen, gesundheitliche und psychische Beeinträchtigungen. Viele Eltern seien sehr erziehungsunsicher und verfügten nicht über genügende soziale und erzieherische Kompetenzen. Durch die eigenen Probleme seien Eltern nicht in der Lage, die Bedürfnisse ihrer Kinder ausreichend wahr zu nehmen. „’Fälle’, die aufgrund krisenhafter Zuspitzung und/oder mit Blick auf das Kindeswohl ohne Wartezeiten übernommen werden müssen, bilden mittlerweile eher die Regel als die Ausnahme.“

    Das führt derzeit als „Notmaßnahme“ zu einem begrenzten Aufnahmestopp in der Beratungsstelle. Die Beratungskapazitäten reichen nicht aus, um allen Anfragen gerecht zu werden. „Unabsehbare Zeiträume für Ratsuchende sind nicht zumutbar“, so Frau Stender. Die Zahl der Fälle allein aus Duisburg lag im letzten Jahr bei 608, wobei ein „Fall“ durchweg mehrere Personen betrifft und der Aufbau des Vertrauensverhältnisses, das die Basis für sinnvolle Beratung ist, aufgrund umfangreicher Problematiken mehr Zeit als früher in Anspruch nimmt. 

    Die Beratungsstelle hat sich in den letzten Jahren mit zwei funktionsfähigen, multiprofessionellen Teams in zwei (statt ursprünglich vier) Standorten erfolgreich neu aufgestellt. Allerdings stehen für die Zukunft weitere Einsparungsentscheidungen an. 

    Text: Ilse Siepmann

    Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite der Beratungsstelle Duisburg Moers: www.ev-beratung.de