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Mitarbeit Telefonseelsorge
"Zeit, tiefer in die Fragen des Lebens einzutauchen" - zwei Ehrenamtliche berichten über ihre Arbeit
11. Juni 2008
Als ein „Mehrgenerationenprojekt“ sieht der Leiter der Telefonseelsorge Duisburg Mülheim Oberhausen, Olaf Meier, die Zusammenarbeit der rund 120 ehrenamtlichen Telefonseelsorger, von denen die jüngsten Anfang 20 und die ältesten über 70 Jahre alt sind. Zwischen ihnen wird aber nicht nur das heute favorisierte Zusammenwirken mehrerer Generationen praktiziert, sondern diese Gruppe tut darüber hinaus etwas für Dritte: Sie ist offen für Menschen, die mit einem anderen ihre Schwierigkeiten und Probleme besprechen möchten oder einfach nur wünschen, dass einer ihnen zuhört - anonym, am Telefon.
Frau K. und Frau W. wurden wie alle anderen Telefonseelsorger, sorgfältig auf ihre Aufgabe am Telefon vorbereitet und werden weiter geschult und begleitet - eine wesentliche Voraussetzung für die Qualität des oft belastenden Dienstes. Frau K. suchte eine Aufgabe „nah am Menschen, am Puls des Lebens“ und erkannte in Auswahltagung, Ausbildung und Hospitation „das hatte ich gesucht, da gehöre ich hin.“ Seit einem Jahr sitzt sie am Telefon und empfindet die Telefonseelsorge (TS) als eine „andere Welt“, losgelöst von den Pflichten des Alltags. „Hier habe ich Zeit, tiefer in die Fragen des Lebens einzutauchen. Es ist wunderbar zu spüren, dass jemand, der das Gespräch am Telefon sucht, mir einen Vertrauensvorschuss gibt.“ Die Gespräche berühren sie, „davon nimmt man viel mit, und die Erfahrungen daraus fließen in das eigene Leben ein.“ Das empfinde sie als Gewinn für sich.
Frau W. ist bereits seit 24 Jahren in der Arbeit und „noch immer gern dabei.“ Was sie trägt, sei das Wissen: „Ich werde gebraucht.“ Sie entschied sich für dieses Ehrenamt, weil die TS Duisburg Mülheim Oberhausen eine ökumenische Einrichtung ist. Das wir ich wichtig. „Die Ausbildung ging sehr ans Eingemachte“, erinnert sich Frau K. Man musste sich „sehr genau mit der eigenen Person auseinandersetzen, weil es wichtig ist, sich selbst zu kennen. Man musste sich selbst in Frage stellen lassen, seine Grenzen erkennen.“ Das dürfe nicht oberflächlich geschehen, „dafür kommen zu gravierende Themen am Telefon zur Sprache.“ Und: „Man kann im Gespräch keine Themen zurückstellen oder ihnen ausweichen.“
Beide Telefonseelsorgerinnen wissen, dass es dem Anrufer manchmal schon hilft, wenn jemand zuhört. „Lösungen finden zu wollen, kann nicht das Ziel sein“, erklärt Frau K. „Wir können probieren, Probleme durchzusprechen, Anstöße zu geben, aber der Anrufer ist der Spezialist für seine Probleme.“ Und „uns wurde eingebläut, dass wir kein Gespräch zu werten haben“, das Gesagte müsse so stehen bleiben, wie es der Anrufer sehe. Meier, Diplom-Psychologe und -theologe, weist darauf hin, dass das Aushalten des Gesagten oft schwieriger sei, als Lösungen zu erarbeiten: „Es gibt Leute, die wollen keine Lösung haben, sondern brauchen das Mitleiden oder die Bestätigung, dass es ihnen schlecht geht.“
Manche Gespräche sind für die Telefonseelsorgerinnen so belastend, dass sie sich fragen, wie sie vier Stunden Dienst aushalten sollen. „Aber wir sind hier sehr gut aufgehoben, das ist nicht immer so im Ehrenamt“, unterstreicht Frau W. Das Miteinander der Telefonseelsorger und die Gespräche in der Supervision geben Halt. „Die Vielfältigkeit der Mitarbeiter ist der Schatz der TS. Dass jeder anders ist und andere Qualitäten am Telefon hat, ist wichtig“, ergänzt Frau K. „Es ist gut, dass wir junge, mittlere und ältere Telefonseelsorger haben.“
Die Begleitung des Dienstes ist für beide entscheidend, „wenn diese gute Begleitung nicht wäre, wäre ich nicht so lange in der TS geblieben“, meint Frau W. und Frau K.: „Man kann die Qualität am Telefon nicht leisten ohne diese Unterstützung. Was man einbringen will, muss irgendwo herkommen. Die Ausbildung ist erstklassig, und was man für sein eigenes Leben mitbekommt, ist unschätzbar.“
Die Anruferzahlen in der TS sind im letzten Jahr um zehn Prozent von 23.000 auf 25.400 gestiegen, ebenso die Zahl der daraus resultierenden Seelsorge- und Beratungsgespräche von 14.300 auf 15.750. Trotz doppelter Besetzung des Telefons an 12 Stunden des Tages kommt die TS damit an die Grenzen ihrer zeitlichen Kapazitäten und der Belastbarkeit der Mitarbeitenden, die 36 Dienste im Jahr á vier Stunden und davon ein Drittel als Nachtdienste leisten.
Text: Ilse Siepmann
Weitere Informationen:
E-Mail: duisburg@telefonseelsorge.de
Internet: http://www.telefonseelsorge-duisburg.de/


