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Kirchenrat Rafael Nikodemus bei der Diskussion in der Liebfrauenkirche; Foto: Evangelischer Kirchenkreis Duisburg, Sabine Merkelt-Rahm

Kirchenrat Rafael Nikodemus bei der Diskussion in der Liebfrauenkirche; Foto: Evangelischer Kirchenkreis Duisburg, Sabine Merkelt-Rahm

Internationalen Tag gegen Hass und antimuslimischen Rassismus

Podiumsdiskussion in Duisburg mit Kirchenrat Rafael Nikodemus

Der erste Juli ist der Jahrestag eines schlimmen Verbrechens. Am ersten Juli 2009 wurde im Landgericht Dresden die schwangere, 32-jährige Pharmazeutin Marwa El-Sherbini erstochen, weil sie sich keine antimuslimischen Beleidigungen gefallen lassen wollte. Inzwischen ist dieser Tag zum internationalen Tag gegen Hass und antimuslimischen Rassismus geworden.

Zu diesem Anlass trafen sich auf Einladung der Ditib Religionsgemeinschaft NRW in Kooperation mit der Begegnungsstätte der Merkez Moschee Marxloh einhundert Besucher in der voll besetzten Kulturkirche Liebfrauen und lauschten einem Podiumsgespräch zwischen dem evangelischen Kirchenrat Rafael Nikodemus, Dr. Zekeriya Altuğ, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Ditib Landesverbands NRW, Merve Mert vom Ditib-Regionalverband Münster und dem Referenten für interreligiösen Dialog im Bistum Essen, Dr. Detlef Schneider-Stengel.

Übergriffe aus muslimfeindlichen und antiislamischen Motiven seien Alltag in Deutschland sagte die Moderatorin Hulya Ceylan und nannte erschreckende Zahlen. 2019 wurden vom Innenministerium insgesamt 950 islamfeindliche Straftaten gezählt. Darin sind die alltäglichen Anpöbelungen in der Straßenbahn, die kleinen Gemeinheiten und groben Witze in der Schule und im Büro noch gar nicht enthalten. Sie könne ja wohl überhaupt nicht mehr zuhören, wenn sie so „eingeschleiert“ sei quittierte ein Lehrer Merve Merts Entscheidung mit Kopftuch in die Schule zu kommen und eröffnete so den Reigen der blöden Bemerkungen, denen sie ab der achten Klasse regelmäßig ausgesetzt war. Wohin antimuslimische Ressentiments im schlimmsten Fall führen können, das zeigt der Anschlag von Hanau, bei dem neun Menschen nur deshalb ums Leben kamen, weil der Täter sie als Muslime sah. Die begriffliche Trennschärfe war dabei Zekeriya Altuğ ganz wichtig, der sich daran stieß, dass die Politiker nach dem Anschlag nur von fremdenfeindlichen Motiven sprachen. „Das war nicht Fremdenfeindlichkeit, die Opfer waren alle gebürtige Kinder Hanaus und Teil unserer Zukunft“, sagte er, „da muss man klar von Islamfeindlichkeit sprechen.“

Auch christliche Kirchen könnten nicht länger so tun als seien sie ein Hort der Seligen, ergänzte Nikodemus das Bild einer verhängnisvollen gesellschaftlichen Entwicklung: „Wir haben auch Rassisten in unseren Gemeinden.“ „Aber aus den christlichen Gemeinden kam auch der Anstoß zum interreligiösen Dialog, der uns alle weitergebracht hat“, hielt  Altuğ ihm entgegen.

Die positive Wirkung von gemeinsam organisierten Essen aufs zwischenmenschliche Verhältnis pries Detlef Schneider-Stengel, der bei Visitationen sogar schon mit seinem Bischof die eine oder andere Moschee besucht habe, wie er versicherte. „Ich meine, über die Zeit, in der der interreligiöse Dialog nur aus gemeinsamem Kaffeetrinken bestand, sind wir inzwischen hinaus“, versetzte Nikodemus, der lange im Evangelischen Kirchenkreis Duisburg für den interreligiösen Dialog zuständig war und forderte konkrete gemeinsame Anstrengungen zur Überwindung populärer muslimfeindlicher Stereotype. Dass jedes Menschenleben individuell gleich wertvoll sei, werde zum Beispiel beim Bündnis „ united 4 rescue“  gelebt, das sich die Seenotrettung von Geflüchteten auf die Fahne geschrieben habe.

Ein Zuhörer wünschte sich zum Schluss, dass der immer größer werdenden Zahl der Menschen ohne  Religionszugehörigkeit, als gesellschaftlich relevanter Gruppe, ein größeres Angebot zur Teilnahme am Dialog zwischen den Religionen gemacht würde.

Text und Bild: Sabine Merkelt-Rahm

03.07.2020


Losung für den 07.08.2020

Der HERR wird Zion wieder trösten. Sacharja 1,17

Aus großer Todesnot hat er uns errettet und wird er uns erretten; auf ihn haben wir unsere Hoffnung gesetzt. 2.Korinther 1,10